Die Geschichte des Kaffees: Zufall, Legenden und was wirklich belegt ist
„Foto: Daniel Reche, Pexels"
Kaffee gehört für die meisten von uns so selbstverständlich zum Tag, dass man selten fragt, woher er eigentlich kommt. Dabei steckt in deiner Tasse eine Geschichte mit Hirten, Mystikern, Sultanen, Schmugglern und einer Pflanze, die es nur durch einen Zufall der Natur gibt.
Ein Teil dieser Geschichte ist gut belegt. Ein anderer Teil sind Erzählungen, die so oft weitergegeben wurden, dass sie wie Fakten klingen. In diesem Beitrag trennen wir beides: Wo wir sicher sind, sagen wir es. Wo es nur Überlieferung ist, steht das dabei. In meinen Kursen geht es immer darum, Kaffee zu verstehen, statt Rezepte nachzukochen. Die Geschichte gehört dazu, denn sie erklärt, warum Kaffee heute so schmeckt, wie er schmeckt.
Die Geschichte des Kaffees in Kürze
Kaffee stammt aus den Bergnebelwäldern Südwestäthiopiens. Als Getränk ist er sicher erst ab dem 15. Jahrhundert im Jemen belegt, wo Sufis ihn für nächtliche Gebete tranken. Über Mekka, Kairo und Istanbul kam er im 17. Jahrhundert nach Europa. Die meisten kultivierten Arabica-Sorten gehen auf sehr wenige Pflanzen zurück.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Woher kommt Kaffee? Ein Zufall der Natur
Wer hat den Kaffee entdeckt? Die Kaldi-Legende und was belegt ist
Vom Jemen nach Istanbul: Wie aus Kaffee ein Getränk wurde
Wie kam der Kaffee nach Europa?
Kaffee in Deutschland und Bayern
Wenige Pflanzen erobern die Welt: Typica, Bourbon und die Kolonien
Der Preis der Geschichte
Rost, Hibrido de Timor und die Frage nach der Zukunft
Vom Kochen zum Filtern und zum Espresso
Was die Geschichte für deine Tasse bedeutet
Mythen-Check: 5 Kaffee-Geschichten, die so nicht stimmen
Häufige Fragen zur Geschichte des Kaffees
Woher kommt Kaffee? Ein Zufall der Natur
Was wir Kaffeebohnen nennen, sind die Samen von Kaffeekirschen. Im Handel spielen vor allem zwei Arten eine Rolle: Arabica und Robusta. Robusta heißt botanisch Coffea canephora. Arabica, also Coffea arabica, hat eine besondere Entstehungsgeschichte.
Arabica ist ein Hybrid. Irgendwann trafen sich zwei Wildarten und kreuzten sich: Coffea canephora (Robusta) und Coffea eugenioides. Dabei verdoppelte sich der Chromosomensatz. Arabica hat 44 Chromosomen, ihre beiden Eltern haben jeweils 22. Das zeigt das Genom, das 2024 in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht wurde.
Wann das passiert ist, wissen wir nicht auf das Jahr genau. Die Schätzung liegt zwischen etwa 350.000 und 610.000 Jahren, ältere Studien kommen zu anderen Werten. Deshalb schreibe ich hier bewusst: vor mehreren hunderttausend Jahren.
Wild wächst Arabica in den Bergnebelwäldern im Südwesten Äthiopiens. Alle Arabica-Sorten, die heute angebaut werden, stammen von diesen Wildpflanzen ab.
Ein Zufallsprodukt mit Folgen: Kultivierter Arabica hat rund zehnmal weniger genetische Vielfalt als seine beiden Elternarten (Scientific Reports, 2020). Warum das wichtig ist, sehen wir gleich, wenn es um Typica, Bourbon und den Kaffeerost geht.
Wer hat den Kaffee entdeckt? Die Kaldi-Legende und was belegt ist
Legende: Ein Ziegenhirte namens Kaldi bemerkt, dass seine Ziegen nach dem Fressen roter Früchte nachts nicht zur Ruhe kommen und tanzen. Er probiert selbst, wird munter, und der Kaffee ist entdeckt.
Was dazu belegt ist: Die Geschichte wurde erst 1671 aufgeschrieben, von Antoine Faustus Nairon, also viele Jahrhunderte nach der angeblichen Begebenheit. In dieser ersten schriftlichen Fassung heißt der Hirte noch gar nicht Kaldi, und die Handlung spielt im Jemen. Der Name Kaldi wurde erst im 20. Jahrhundert richtig bekannt (durch das Standardwerk des Kaffeehistorikers William Ukers aus den 1920er Jahren). Eine schöne Geschichte also, aber kein Beleg.
Wahrscheinlich: In Äthiopien wurden Blätter und Früchte des Kaffeestrauchs vermutlich zuerst gekaut. Überliefert sind außerdem ein Energiesnack aus zerstoßenen Bohnen mit Tierfett und ein Aufguss aus den Fruchtschalen, der im Jemen Qishr heißt.
Unklar: Frühe Texte des persischen Arztes Rhazes (9./10. Jahrhundert) und Avicennas (um das Jahr 1000) erwähnen ein Mittel namens bunchum. Ob damit Kaffee gemeint war, ist offen. Wenn ja, war es vermutlich nicht das Getränk, das wir kennen.
Belegt: Kaffee als geröstetes und aufgebrühtes Getränk ist sicher erst ab dem 15. Jahrhundert im Jemen belegt. Sufis, also Angehörige islamischer Mystikerorden, tranken ihn, um bei nächtlichen Gebeten wach zu bleiben. Der Gelehrte Abd al-Qadir al-Jaziri schrieb 1587 eine Abhandlung über den Kaffee. Genetische Untersuchungen passen dazu: Die Pflanzen im Jemen stammen aus dem Süden Äthiopiens.
Bis heute wird Kaffee in Äthiopien in einer Zeremonie zubereitet: Die Bohnen werden geröstet, im Mörser zerstoßen und in der Jebena, einer Tonkanne, aufgekocht. Serviert wird in drei Runden.
Vom Jemen nach Istanbul: Wie aus Kaffee ein Getränk wurde
Im Jemen wurde Kaffee zur Handelsware. Der Hafen von Mokka war einer der wichtigsten Umschlagplätze. Der Name blieb hängen: „Mokka" wurde zu einem Wort für Kaffee, und wir benutzen es bis heute.
Auch das Wort Kaffee selbst kommt von dort: aus dem Arabischen qahwa über das Türkische kahve. Qahwa war ursprünglich ein poetisches Wort für Wein oder für ein Getränk, das den Appetit dämpft. Die oft erzählte Herleitung von der äthiopischen Region Kaffa gilt heute als historisch widerlegt.
Kaffee blieb nicht unumstritten. 1511 versuchte der Gouverneur von Mekka, den Kaffee zu verbieten. Der Sultan in Kairo, selbst ein Kaffeetrinker, hob das Verbot wieder auf. Das Muster wiederholte sich immer wieder: Kaffeehäuser waren Orte, an denen geredet, gespottet und diskutiert wurde, und das machte Herrschende nervös.
Von Mekka aus verbreitete sich Kaffee in den folgenden Jahrzehnten weiter durch das Osmanische Reich: über Ägypten, Persien, die Türkei und Syrien. Die frühen Kaffeehäuser galten dabei durchgehend als Orte für politische und philosophische Gespräche – genau das machte Herrschende immer wieder nervös.
Von 1538 bis 1636 kontrollierten die Osmanen die jemenitische Küstenregion mit dem Hafen Mokka. Kaffee kam nach Istanbul, und 1554 eröffneten dort nach der üblichen Darstellung zwei Händler aus Aleppo und Damaskus das erste Kaffeehaus (manche Quellen nennen 1551). Ein Wort aus dieser Zeit lebt im Türkischen weiter: kahvaltı, das Frühstück, heißt wörtlich „vor dem Kaffee".
1632 ließ Sultan Murad IV. die Kaffeehäuser schließen, weil er dort Aufruhr fürchtete. Von Hinrichtungen für das Kaffeetrinken erzählen manche Quellen, belegt sind sie nach unserer Recherche nicht.
Wie kam der Kaffee nach Europa?
Es gab keinen einzelnen Helden, der Kaffee nach Europa brachte. Es waren Händler, Reisende und Ärzte. Der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf beschrieb den Kaffee 1582 in seinem Bericht über seine Orientreise. Ab den 1650er Jahren entstanden in Europa Kaffeehäuser erst langsam, dann schlagartig: 1650 in Oxford, 1652 in London.
In London wurden Kaffeehäuser zu Treffpunkten für Händler, Gelehrte und Politiker. Als König Karl II. sie Ende 1675 schließen lassen wollte, musste er die Anordnung nach wenigen Tagen zurücknehmen (Proklamation vom 29. Dezember 1675, Rücknahme am 8. Januar 1676).
In Paris sorgte 1669 der osmanische Botschafter Soliman Aga für eine Türkenmode samt Kaffee. 1686 eröffnete Francesco Procopio das Café Procope, das später ein Treffpunkt der Aufklärung wurde. In Venedig kam Kaffee im 17. Jahrhundert über den Handel an. Das berühmte Café Florian am Markusplatz wurde 1720 eröffnet (Angaben wie „1645" oder „1647" sind falsch).
Wien: Legende und Beleg
Die bekannteste Kaffeegeschichte Europas geht so: Nach der Türkenbelagerung 1683 bleiben Säcke voller Bohnen zurück, ein Held namens Georg Franz Kolschitzky erkennt sie, eröffnet das erste Wiener Kaffeehaus und erfindet den Kaffee mit Milch.
Legende. Diese Version wurde erst 1783 aufgeschrieben, hundert Jahre nach den Ereignissen, und ist von der Forschung widerlegt.
Belegt: Das erste Privileg für den öffentlichen Kaffeeausschank in Wien erhielt am 17. Januar 1685 der armenische Kaufmann Johannes Diodato. Kolschitzky bekam erst 1686 ein Privileg. Viele Wiener kannten Kaffee außerdem schon vorher, etwa über die türkische Gesandtschaft.
Danach ging es schnell: 1737 gab es in Wien 37 Kaffeehäuser, 1819 schon 150. Die Wiener Kaffeehauskultur ist seit 2011 immaterielles UNESCO-Kulturerbe.
„Giovanni David, Le Masque au Caffé, 1775.
The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0)"
Kaffee in Deutschland und Bayern
Als erstes Kaffeehaus in Deutschland gilt das in Bremen, 1673 (23. August). Hamburg folgte Ende der 1670er Jahre, meist wird 1677 genannt. Johann Sebastian Bach ließ sich Anfang der 1730er Jahre von der Kaffeeleidenschaft seiner Zeit zu seiner Kaffeekantate „Schweigt stille, plaudert nicht" anregen. Aufgeführt wurde sie wohl im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig, eine genaue Datierung ist nicht gesichert.
Nicht jeder fand die Kaffeeleidenschaft gut. Friedrich II. von Preußen rief 1777 in einem Manifest dazu auf, lieber Bier zu trinken, weil für Kaffee zu viel Geld das Land verlasse. 1781 folgte das Verbot, Kaffee außerhalb staatlicher Anstalten zu rösten. Etwa 400 Kriegsinvaliden spürten als „Kaffeeschnüffler" heimliche Röster auf. Nach Friedrichs Tod wurde das Monopol wieder abgeschafft. Als Napoleon von 1806 an den Handel mit England sperrte (Kontinentalsperre), wurde Kaffee in Europa knapp, und Ersatzkaffee, zum Beispiel aus Zichorie, boomte.
München. In Bayern kam der Kaffee vor allem über die Hauptstadt. 1726 gab es in München sieben Kaffeehäuser, 1804 schon 31. 1774 erhielt der Italiener Giovanni Pietro Sarti die Genehmigung, unter den Hofgarten-Arkaden Getränke auszuschenken, 1778 durfte er dort ein Kaffeehaus bauen. Ab 1810 führte Luigi Tambosi das Haus. 1888 eröffnete mit dem Café Luitpold ein Kaffeepalast im Stil der Donaumonarchie. Auch ein Münchner Delikatessengeschäft mit Wurzeln um 1700 (seit etwa 1870 unter dem Namen Dallmayr) wurde zu einem Kaffeeort: 1933 richtete dort der aus Bremen stammende Kaffeekaufmann Konrad Werner Wille eine Spezialabteilung für Kaffee ein.
Vom Genussmittel zur Industrie. Der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts (1903 bis 1905) das erste kommerziell genutzte Verfahren, Kaffee das Koffein zu entziehen. Der Anlass soll der frühe Tod seines Vaters gewesen sein, den er auf Koffein zurückführte. Das erste Verfahren nutzte das giftige Benzol und wird heute nicht mehr verwendet. 1906 gründete Roselius Kaffee HAG.
Ein Wort noch zur Kaffeesteuer: Sie wurde in Deutschland 1948 eingeführt und beträgt heute 2,19 Euro pro Kilogramm Röstkaffee
Wenige Pflanzen erobern die Welt: Typica, Bourbon und die Kolonien
Hier wird es genetisch spannend. Der Jemen hütete den Kaffee lange wie einen Schatz. Der Überlieferung nach durften Bohnen das Land nur abgekocht oder geröstet verlassen, damit niemand eigene Pflanzen ziehen konnte. Auf Schmuggel sollen harte Strafen gestanden haben. Belege dafür haben wir aus dieser Zeit nicht gefunden, die Geschichte wird aber in vielen Büchern erzählt.
Die bekannteste dieser Schmuggelgeschichten dreht sich um einen Mann namens Baba Budan. Der Legende nach versteckt ein muslimischer Pilger dieses Namens im 17. Jahrhundert (die Angaben schwanken zwischen etwa 1600 und 1670) sieben Kaffeesamen am Körper, schmuggelt sie aus Mokka nach Südindien und pflanzt sie in den Bergen bei Chikmagalur an, die bis heute seinen Namen tragen. Ein schöner Ursprungsmythos für den indischen Kaffeeanbau, der Indien bis heute zu einem eigenen Kaffeeland macht — belegt ist die Geschichte selbst allerdings nicht.
1616 besuchte der Niederländer Pieter van den Broecke den Hafen Mokka. Der Überlieferung nach sollen Niederländer damals Kaffeepflanzen mitgenommen haben, dokumentiert ist das nicht. Sicher ist der Weg über Indien: Ein erster Versuch, Pflanzen von der indischen Malabarküste nach Java zu bringen, scheiterte 1696 an einer Überschwemmung. 1699 klappte es, und ab 1711 verschiffte die niederländische Handelskompanie Kaffee aus Java nach Europa. „Java" wurde, wie „Mokka", zu einem Wort für Kaffee.
Jetzt kommt der Punkt, der mich als Kaffeetrainer am meisten fasziniert: 1706 kam ein einziger Setzling aus Java in den Botanischen Garten von Amsterdam. Von dort ging um 1714 ein Ableger nach Frankreich (ein Geschenk an Ludwig XIV.), dann in die Kolonien: nach Suriname (1719), Martinique (1723) und Brasilien (1727). Diese Linie heißt heute Typica. Ein sehr großer Teil der Typica-Pflanzen in Lateinamerika geht auf diesen einen Setzling zurück.
Die zweite große Linie heißt Bourbon. Ab 1715 brachten die Franzosen wenige Pflanzen vom Jemen auf die Insel Réunion, damals Île Bourbon. Nur ein Teil überlebte die Reise, Pflanzungen gab es bis etwa 1718.
Zwei Anekdoten gehören zu dieser Zeit, beide bitte mit Vorsicht genießen. Der französische Offizier Gabriel de Clieu soll in den 1720er Jahren eine Pflanze nach Martinique gebracht haben und sein Trinkwasser mit ihr geteilt haben (das erzählt er in seinem eigenen Bericht). Er war nicht der erste, der Kaffee nach Amerika brachte. Und 1727 soll Francisco de Melo Palheta Kaffeesamen von Französisch-Guayana nach Brasilien geschmuggelt haben, versteckt in einem Blumenstrauß, den ihm die Frau des Gouverneurs geschenkt haben soll.
Was bleibt: Ein großer Teil des Arabica, den wir heute trinken, geht auf ganz wenige Pflanzen zurück. Das nennt die Genetik einen Flaschenhals. Es erklärt, warum viele Sorten enge Verwandte sind und warum eine Krankheit eine ganze Region treffen kann.
Der Preis der Geschichte
Der Siegeszug des Kaffees hat eine dunkle Seite. Der Anbau in den Kolonien beruhte auf der Arbeit versklavter Menschen. In Brasilien trug der Kaffeeanbau im 19. Jahrhundert dazu bei, dass die Zahl der versklavten Menschen stark wuchs. Die Sklaverei wurde dort erst am 13. Mai 1888 abgeschafft (Lei Áurea).
Das gehört zur Geschichte des Kaffees dazu, auch wenn es weniger nach Kaffeehaus-Romantik klingt.
Rost, Hibrido de Timor und die Frage nach der Zukunft
Wenige Pflanzen mit ähnlichem Erbgut sind verwundbar. Das zeigte der Kaffeerost (Hemileia vastatrix), ein Pilz. Zuerst wurde er 1861 in Kenia beobachtet. Ende der 1860er Jahre brach der Kaffeeanbau auf Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) zusammen, und die Insel wurde zu einem Teeland. Über Indien und Java breitete sich der Pilz weiter aus, 1970 erreichte er Brasilien und damit Südamerika. Zwischen 2012 und 2014 traf eine große Rostwelle Lateinamerika, die Schäden werden auf rund eine Milliarde US-Dollar geschätzt.
Die Rettung kam durch einen Zufall der Natur, wieder einmal. In den 1920er Jahren (meist wird 1927 genannt) fand man auf Timor eine Pflanze, die sich als natürliche Kreuzung aus Arabica und Robusta entpuppte, den Hibrido de Timor. Sie war resistent gegen Rost. Aus ihr züchtete man Sorten wie Catimor (entwickelt 1959), Sarchimor und Castillo. Ein Teil ihres Erbguts stammt aus Robusta. Mit dem Ruf in der Tasse ist es gemischt: Manche dieser Sorten schmecken hervorragend, andere weniger.
Genau hier trifft Geschichte auf deine Tasse: Ob Sorten resistent, robust und gleichzeitig lecker sind, entscheidet mit, welchen Kaffee es morgen gibt.
Vom Kochen zum Filtern und zum Espresso
Lange wurde Kaffee gekocht, so wie im türkischen Kaffee bis heute. Nach dem Kaffeehistoriker Mark Pendergrast begannen die Franzosen im frühen 18. Jahrhundert, Kaffeepulver in einem Stoffbeutel aufzugießen: ein Vorläufer des Filterns.
1908 meldete die Dresdnerin Melitta Bentz den Papierfilter an. Damit war der Filterkaffee, wie wir ihn kennen, geboren. Wenn dich die Filtermethoden interessieren: Zur French Press (mit ihrer eigenen Patentgeschichte) und zur V60 haben wir eigene Beiträge.
1938 meldete Achille Gaggia in Italien ein Patent an, das mit dem Druck heißen Wassers statt mit Dampf arbeitete, die Grundlage für den Espresso mit Crema. 1947 folgte ein zweites Patent für einen Kolben-Hebel-Mechanismus. Wenn du wissen willst, was in deinem Siebträger passiert, hilft dir unser Beitrag zum Espresso einstellen für Anfänger.
Löslicher Kaffee ist übrigens älter, als viele denken. Schon 1890 patentierte der neuseeländische Kaufmann David Strang in Invercargill ein Trocknungsverfahren dafür – die früheste dokumentierte Erfindung. Der japanische Chemiker Satori Kato, der in Chicago arbeitete, folgte mit einem eigenen Verfahren: Patent angemeldet 1901, erteilt 1903. Kato wurde lange fälschlich als „Erfinder" des löslichen Kaffees gefeiert, gilt heute aber nur noch als einer der frühen Patentinhaber. Nescafé, Ende der 1930er Jahre auf den Markt gekommen, war also nicht der Anfang, sondern erst der Durchbruch im großen Stil.
Du willst Kaffee nicht nur kennen, sondern verstehen? Im Espresso Kurs – Intensiv in Garmisch-Partenkirchen üben wir genau das: Mahlgrad, Menge, Zeit und Geschmack, in einer kleinen Gruppe. Für Filterkaffee gibt es der Filterkaffee Kurs - Intensiv
Was die Geschichte für deine Tasse bedeutet
Die Geschichte des Kaffees ist eine Geschichte von Zufällen, Wegen und Händen. Für deine Tasse heißt das:
Sorten sind Verwandte. Viele Arabica-Sorten gehen auf Typica und Bourbon zurück. Das erklärt, warum sich manche Aromen ähneln und warum Züchtung so wichtig ist.
Herkunft und Aufbereitung zählen. Wo eine Pflanze wächst, wie sie geerntet und aufbereitet wird, prägt den Geschmack. Diese Vielfalt ist ein Grund, warum man dieselbe Bohne so unterschiedlich erleben kann.
Handwerk macht den Unterschied. Ob Espresso, V60 oder French Press: Mahlgrad, Wasser, Zeit und Temperatur entscheiden, ob aus dieser langen Geschichte eine gute Tasse wird. Genau das lernst du bei uns in den Kursen.
Kaffee ist dabei längst ein Massengetränk: In Deutschland trinkt jede Person im Schnitt rund 160 Liter im Jahr (Deutscher Kaffeeverband, 2024). Weltweit wurden in der Saison 2023/24 rund 175 Millionen Säcke à 60 Kilogramm geerntet, davon etwas mehr als die Hälfte Arabica (Internationale Kaffeeorganisation).
Und weil Kaffee bis heute ein Gemeinschaftsgetränk ist, haben wir ihn auch für Feiern im Programm: Mit unserem Barista-Service für dein Event und den Schulungen für Unternehmen bringen wir ein Stück Kaffeehauskultur zu dir.
Mythen-Check: 5 Kaffee-Geschichten, die so nicht stimmen
1. „Kolschitzky hat das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet." Diese Version wurde erst 1783 aufgeschrieben. Das erste belegte Privileg bekam 1685 Johannes Diodato.
2. „Das Kipferl wurde 1683 erfunden, um die Türken zu verspotten." Das Kipferl wird schon im 12. Jahrhundert in einer Urkunde erwähnt. Einen Zusammenhang mit dem Halbmond gibt es nicht nachweislich, und das heutige Croissant aus Plunderteig entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich.
3. „Kaffee ist das zweitwichtigste Handelsgut der Welt nach Erdöl." Ein oft wiederholter Satz. Für das Jahr 2015 werden Rohölexporte auf rund 788 Milliarden US-Dollar beziffert, Rohkaffee auf rund 19 Milliarden. Kaffee liegt damit unter anderem hinter Aluminium, Kupfer, Soja und Weizen.
4. „Kaldi hat den Kaffee entdeckt." Die Geschichte wurde 1671 aufgeschrieben, und der Name Kaldi kam erst viel später dazu.
5. „Papst Clemens VIII. hat den Kaffee getauft." Er soll gesagt haben, es wäre eine Sünde, den Trank den Ungläubigen zu überlassen. Ein Beleg dafür fehlt, sogar Kaffeehistoriker erzählen es nur mit „angeblich".
Häufige Fragen zur Geschichte des Kaffees
Wer hat den Kaffee entdeckt?
Das lässt sich nicht auf eine Person zurückführen. Die Legende vom Ziegenhirten Kaldi wurde erst 1671 aufgeschrieben. Belegt ist, dass Kaffee im 15. Jahrhundert im Jemen als Getränk getrunken wurde. Die Pflanzen dort stammen aus dem Süden Äthiopiens.
Woher kommt Kaffee ursprünglich?
Aus den Bergnebelwäldern im Südwesten Äthiopiens. Dort wächst der wilde Arabica, eine natürliche Kreuzung aus Robusta (Coffea canephora) und Coffea eugenioides, entstanden vor mehreren hunderttausend Jahren.
Seit wann gibt es Kaffee in Europa und in Deutschland?
In Europa ab dem 17. Jahrhundert, die ersten Kaffeehäuser entstanden ab 1650 (Oxford 1650, London 1652). In Deutschland gilt das Kaffeehaus in Bremen von 1673 als das erste.
Wer hat den Kaffee nach Europa gebracht?
Kein einzelner Held, sondern Händler, Reisende und Ärzte. Auch die Geschichte von Kolschitzky in Wien ist eine Legende. Das erste belegte Wiener Kaffeehausprivileg bekam 1685 Johannes Diodato.
Warum heißt Kaffee „Kaffee"?
Das Wort kommt aus dem Arabischen (qahwa) über das Türkische (kahve). Die oft erzählte Herleitung von der äthiopischen Region Kaffa gilt heute als widerlegt.
Ist Arabica eine Kreuzung, und was ist der Hibrido de Timor?
Ja, Arabica ist eine natürliche Kreuzung aus zwei Wildarten. Der Hibrido de Timor ist eine natürliche Kreuzung aus Arabica und Robusta, die in den 1920er Jahren auf Timor gefunden wurde. Er ist resistent gegen den Kaffeerost und wurde deshalb zur Grundlage vieler neuer Sorten.
Fazit
Kaffee ist ein Zufall der Natur, der Menschen auf allen Kontinenten beschäftigt hat: Hirten, Mystiker, Sultane, Händler, Schmuggler, Züchter und Baristas. Nicht jede schöne Geschichte ist belegt. Aber gerade das Trennen von Legende und Beleg macht sie für mich noch interessanter.
Wenn du Kaffee in der Praxis verstehen willst, komm zu uns in den Kurs:
Quellen
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Mark Pendergrast, Uncommon Grounds: The History of Coffee and How It Transformed Our World (Basic Books) · Tristan Stephenson, Barista´s guide to coffee · Johanna Wechselberger und Tobias Hierl, Das Kaffeebuch für Anfänger, Profis und Freaks · Nicole Gisi, Kaffee Genuss- Passion - Wissenschaft